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Bärbel Jensch im Kreise ihrer »Sportlerfamilie«
Mit freundlicher Genehmigung! Copyright Artikel und Foto
Matthias Herold |
Menschen in Mitte
Bärbel Jensch: Sportlerin und Sozialarbeiterin in einer Person
Was könnte besser zur Integration beitragen als der Sport |
Ginge es nach dem Willen von Bärbel Jensch, würden alle
Menschen -egal welcher Herkunft, ob alt oder jung - sich verstehen,
Freunde sein, miteinander ihre Leistungen und Talente messen, gesund und
aktiv leben. »Was könnte besser dazu beitragen als der Sport«, sagt die
Leiterin der Abteilung Leichtathletik des Allgemeinen Sport-Vereins
Berlin e.V.(ASV) mit voller Überzeugung. »Nehmen wir nur mal unser schon
traditionelles Projekt ›Sport in den Ferien für die ganze Familie‹. Im
Sommer mehrmals, im Winter und in der Osterzeit organisieren wir im
Poststadion an der Lehrter Straße Treffen mit Zuwandererfamilien aus
zahlreichen Staaten zum gemeinsamen Sporttreiben«, erzählt sie
begeistert. »Nach der Siegerehrung wird gemeinsam Kaffee oder Tee
getrunken, viel geredet, entstehen Bekanntschaften und Freundschaften«.
Für diese vorbildliche Aktivität erhielt der ASV Ende 2008 den
Integrationspreis der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte. Der
Ausschuß für Soziale Stadt, Integration und Gleichstellung unter Vorsitz
von Sven Diedrich (DIE LINKE) hatte seine Wahl aus den von Bürgern des
Stadtbezirkes zahlreich eingereichten Vorschlägen getroffen. Viel
Zuspruch finden Gymnastik für Senioren, Laufen, Spielen und Werfen für
Kinder, Tennis, Basketball oder »Groß trifft Klein« beim Kugelstoßen.
»Mädels bewegt euch 2009« lautet das Motto der diesjährigen
Frauensportaktionswochen. Fachtrainer leiten eine Rückenschule mit
gezielter Wirbelsäulengymnastik. Für Mädchen und Jungen aus Familien mit
einem geringen Einkommen werden Ferienlager organisiert, im letzten
Sommer für Kanusportler. Rund ums Jahr erringen Mitglieder aller
Altersgruppen das begehrte Sportabzeichen des Landessportbundes. »Für
jeden etwas«, sagte Bärbel Jensch. Zu den heute schon 150 Aktiven
gehören Drei- bis 80-jährige, Schüler, Rentner, auch Behinderte,
übergewichtige Kinder, die zusammen mit ihren Angehörigen eine
Ernährungsberatung und Anregungen für viel Bewegung erhalten, und nicht
wenige sozial schwache Leute. Der 49-jährige Ahmed kommt nach einem
Herzinfarkt mit seinen drei Söhnen wöchentlich zum Krafttraining. »Wir
verstehen uns als Sportler wie auch als Sozialarbeiter.« Für diese
Haltung war für sie das eigene Leben die beste Schule. Sie wohnt mit
ihrem 33-jährigen behinderten Sohn zusammen, hatte selbst eine schwere
Krankheit zu besiegen, musste frühzeitig berentet werden. »Der Sport hat
mir über vieles hinweggeholfen «, resümiert sie heute. Seit ihrem 15.
Geburtstag ist sie Mitglied des ASV, war sieben Mal deutsche
Behindertenmeisterin im Kugelstoßen. Als eine wichtige Aufgabe sieht sie
die Suche nach weiteren Förderern und Paten. So bezahlt der
Geschäftsmann Klaus Frank dem neunjährigen Karim aus einer libanesischen
Migrantenfamilie den Mitgliedsbeitrag und die Sportkleidung. Das Jahr
2009 ist für die kleine quirlige Frau und den ASV ein besonderes: sie
werden beide 60. Höhepunkt der Vereinsfeiern ist ein großer Lauf mit
Teilnehmern aus ganz Berlin im Fritz-Schloß-Park, der dem Mitbegründer
Helmut Böhm gewidmet ist. Zu ihrer Geburtstagsfeier lädt Bärbel Jensch
Ende September ein - natürlich in das Poststadion.
Matthias Herold |
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